Ergebnisse der Bepanthen-Kinderarmutsstudie

Kinderarmut hat kein einheitliches Gesicht
- Sozialwissenschaftliche Untersuchung zeigt erstmals die Perspektive von sozial benachteiligten Kindern
Köln, 23. März 2009 – Kinder, die in Deutschland in Armut leben, sind in ihren Chancen erheblich beeinträchtigt. Die Ende März veröffentlichte Bepanthen-Kinderarmutsstudie unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Dr. Sabine Andresen und Susann Fegter, beide Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, hat erstmals Erkenntnisse gewonnen, wie sozial benachteiligte Kinder zwischen sechs und 13 Jahren selbst ihre Situation wahrnehmen, welche Unterstützung aus ihrer Sicht nötig ist und was sie als fördernd erfahren. Demnach hat Armut für die Kinder kein einheitliches Gesicht – sie erleben ihre soziale Benachteiligung höchst unterschiedlich. Gleichzeitig liefert die Studie Hinweise auf ein tiefes Bedürfnis der Kinder, dass sie und ihre Familien nicht stigmatisiert werden. In der Studie werden besonders der Mangel an Möglichkeiten und guten Entwicklungsbedingungen thematisiert.

Ein Film zu den Ergebnissen der Bepanthen-Kinderarmutsstudie
Hier können Sie sich den Film zu den Ergebnissen der Bepanthen-Kinderarmutsstudie im WMV-Format herunterladen:
Download Film (31 MB)
Das Wichtigste für ein gutes Kinderleben
Erstmals wurden Kinder in der Studie gefragt , was sie unter einem „guten Leben für alle Kinder“ verstehen. Ergebnis: „Kinder wünschen sich für alle Altersgenossen gute Beziehungen, die Versorgung von Grundbedürfnissen sowie ein Recht auf Schulbildung, Gewaltfreiheit, Freizeit und medizinische Versorgung“, sagt Andresen.
Nach den für sie „wichtigsten Dingen“ befragt, nennen die meisten Kinder nicht materielle Dinge, sondern zuerst Personen wie Familienangehörige und Freunde.
Kindliche Ressourcen
Die Mehrheit der Kinder hat noch großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten:
89,2 Prozent glauben, ihr „Leben wird richtig schön“, 85,1 Prozent denken, dass sie „viele Dinge gut können“ und 70,8 Prozent sind überzeugt, dass sie auch „Probleme lösen können“. „Damit die vorhandenen Fähigkeiten jedoch nicht verloren gehen, ist auch außerschulische Förderung, so genannte nicht-formale Bildung unentbehrlich“, fordert Andresen. Denn alarmierend ist, dass immerhin fast elf Prozent bereits im Alter von sechs bis 13 Jahren glauben, ihr „Leben wird nicht richtig schön“.
Impulsgeber Arche
Aus Sicht der Kinder besitzt die Arche eine große Bedeutung hinsichtlich Freundschaft, Fürsorge, Betreuung und Verlässlichkeit. Wichtige Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bieten die außerschulischen Bildungsangebote, wie die Arche sie in Form von Tanzen, Reiten, Ausflügen oder Feriencamps anbietet. „Solche Angebote kompensieren die strukturelle Benachteiligung von Kindern, die in Armut aufwachsen, daher macht es Sinn, in diesen Bereich zu investieren“, befürwortet Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinder- und Jugendwerks „Die Arche e.V.“.
Förderprogramm 2009
An die Bedürfnisse sozial benachteiligter Kinder nach Beziehungen und außerschulischer Bildung knüpft das diesjährige Förderprogramm der Bepanthen-Kinderförderung an: Ab Juni 2009 werden fünf Theaterclubs für bis zu 100 Kinder in den Arche-Häusern in Berlin-Hellersdorf, Berlin-Friedrichshain, Potsdam, Hamburg und München gegründet. Unter Anleitung von Pädagogen proben die Kinder einmal wöchentlich ein von ihnen selbst ausgesuchtes Theaterstück. Außerdem spendet Bayer Vital in diesem Jahr 50.000 Euro an die Arche.
Weitere Informationen unter www.presse.bepanthen.de
